Unzensierte Originalausgabe!


100% HARDCORE-FICTION-SATIRE

100% härter

als herkömmliche Bestseller


Die Dämonin Yeerzha erteilt einem Hodendämon den Auftrag, die Kronjuwelen von Henry Schädelbach, dem härtesten Privatdetektiv aller Zeiten, in ihren Sternkraftkristall zu beamen, um seine überschäumende Manneskraft für ihre größenwahnsinnigen Zwecke zu nutzen.


Doch Schädelbach hat andere Pläne. Im Freiheitskampf um seine Hoden und die bezaubernde Bec, die von der Dämonin in das Verlies der Höllenhunde entführt wird, verschlägt es ihn in düstere Jenseitsebenen, die in ewigen Zyklen vom Zug der Ungeilen Toten durchkreuzt werden. Als sich Schädelbach unauffällig unter die verwesten Reisenden mischen will, verraten ihn die Raben der Untoten.


Eine skurrile Jagd entbrennt, die schließlich im Puff der Reitenden Leichen zu eskalieren droht ...






Leseprobe



ZUG DER UNGEILEN TOTEN

TEIL 1

DER HODENDÄMON



Shortcut-Hardcore-Fiction-Story

Henry Schädelbach



Shortcut 1

Im Sturm der Nacht



Sie war der Lockvogel, auserwählt, sowohl meine Eier als auch den gesamten Planeten in ewige Verdammnis zu stürzen. Ich begegnete ihr in diesem zwielichtigen Gasthaus im Nirgendwo, dessen steinerne Wurzeln eine Spur zu dicht an den Schatten jenseits menschlicher Vorstellungskraft gruben.

Wie ein schroffer Wellenbrecher trotzte das einsame Gasthaus dem Sturm der regengepeitschten Nacht. Ein schwarzer, nassglänzender Klotz, über der massiven Eichentür eine wild schwingende Laterne. Stumpfe Lichtstreifen quetschten sich durch die Ritzen der Fensterläden, verloren sich im aufgewühlten Morast.

Hinter der triefenden Fassade schwelte muffiger Dunst. Die trüben Funzeln erhellten den Innenraum nur spärlich. Zwischen dunklem Gebälk starrten präparierte Wildschweinköpfe ins Leere und die wenigen Gäste, die sich in diese gottverlassene Gegend verirrt hatten, hockten flüsternd über ihre Gläser gebeugt. Ab und an hörte man den massigen Wirt in seinem Schattenreich, das er eine Theke nannte, herumklappern.



Shortcut 2

Der Lockvogel bückt sich



Das unverschämt reizend proportionierte Starlet mit der weißblonden Mähne, das sie hier als Kellnerin beschäftigten, wirkte wie ein Fremdkörper in dieser knarrenden, alten Kaschemme. Ihre verwaschene Jeans klebte so eng an ihren Schenkeln, dass man bei jedem Schritt die Nähte ächzen hörte.

Erneut stelzte sie an meinem Platz vorbei, schepperte das Tablett auf den leeren Nachbartisch und streckte mir zum dreizehnten Mal in Folge ihren unglaublich runden Kugelarsch entgegen. Diesmal so nah vor meinem Gesicht, dass ich die einzelnen Fäden erkennen konnte, die sich zum Zerreißen straff zwischen ihren gewölbten Hälften bemühten, die Jeans zusammen zu halten. Ich glaubte fast, ihre Intimdüfte zu wittern.

Mit schnellen, fließenden Bewegungen kramte sie auf ihrem überladenen Tablett herum, beugte sich noch weiter vor, schwenkte das Heck seitwärts und streifte mich um ein Haar mit ihren Prachtballen, wie ein Komet, der von der Gravitation eines Planeten angezogen, durch dessen atmosphärische Hülle rauscht.

Versehentlich, würde vielleicht ein unerfahrener Mann denken – einer von der Sorte, die im Sammeln von Briefmarken die Gotteskrone aller Ekstasen sehen. Mir konnte sie nichts vormachen. Meine langjährigen Streifzüge durch die Eigenarten der weiblichen Natur hatten mich gelehrt, dass eine Frau sich niemals bückt, ohne gleichzeitig von dem brennenden Verlangen erfüllt zu sein, genommen zu werden. Sicherlich werden die meisten Damen der Schöpfung dies empört von sich weisen, manch eine es nicht einmal vor sich selbst wahrhaben wollen, doch so ist es nun mal. Seit Millionen von Jahren. Es ist sozusagen ein prähistorischer Reflex, der die Frau, wenn sie die Samenstränge eines potenten Kerls gewahrt, zwingt, ihm unverzüglich das Hinterteil zuzuwenden und sich zu bücken.

Fast immer geschieht dies betont beiläufig, gepaart mit einer unschuldvortäuschenden Nebentätigkeit: Ausgerechnet im entscheidenden Augenblick entdeckt die Postbotin einen niedrigen Türschlitz und bückt sich; gerade wenn du hinsiehst, beugt sich die Nachbarin vor, um angeblich mit dem Handfeger irgendwelches Laub zusammen zu fegen, ja, man hat bereits Bäuerinnen gesehen, die im Zustand leidenschaftlicher Dauerläufigkeit über mehrere Stunden mit hoch herausgestrecktem Hintern scheinbar erntend auf dem Kartoffelacker gestanden haben.



Shortcut 3

Steroid-Bourbon



Ich kippte meinen Steroid-Bourbon hinunter, schenkte unterm Tisch unbemerkt nach und steckte mir eine an. Die ölige Flüssigkeit brannte durch meine Kehle, bis tief hinab in die Lenden, wo sie ihre erfrischende Wirkung entfaltete. Das Brummen meiner Hoden deutete darauf hin, dass Geros hausgemachter Steroid-Bourbon[1], der meine Testosteronproduktion schubweise um ein Vielfaches potenzierte, durch den Anblick des Prachtarsches freundliche Unterstützung erhielt. Der pralle Druck meiner Muskeln unterstrich diesen Eindruck. Man kann nie genug Testosteron im Blut haben. Insbesondere in meinem Beruf ist eine gesunde Überproduktion dieses lebenswichtigen Hormons unerlässlich.



Shortcut 4

Der Spuk



Gerade als sie mit ihrem Tablett davon wackelte, ereignete es sich. Zum dritten Mal an diesem Abend. Den Startschuss gab der Minutenzeiger dieser klobigen vergilbten Uhr über dem Tresen. Kaum klickte er nach Ablauf der vollen Stunde auf die Elf, trat verräterisches Funkeln in die Augen der Wildschweinköpfe. Die ohnehin schon träge, stehende Luft verdichtete sich spürbar zu einer zähen, schmierig-transparenten Masse und das dürftige Licht wurde stumpf und alt und krank. Dicke Schattenbänke krochen unter Tischen und aus schwarzen Nischen hervor, breiteten erstickende Schwingen aus, deren Nebelfinger sich düster und träge vorantasteten. Das Flüstern der Gäste verstummte, ihre Blicke froren ein, der Wackelarsch verharrte und selbst der Wirt glotzte starr und leer auf den gähnenden Zapfhahn.

Etwas näherte sich. Tief unter dem Gasthaus dröhnte es durch abgründige Schichten, die seit Urzeiten weit unter der erdigen Haut des Planeten ruhten. Der Boden begann zu zittern, Gläser vibrierten, tanzten, klirrten; Speisekarten flatterten auf wie angeschossene Hühner und dann donnerte das riesige Unbekannte unter den Mauern hinweg. Balken und Wände ächzten, ein Glas zersprang, Bier spritzte über teilnahmslose Gesichter, tropfte über den Rand des zitternden Eichentischs. Das stampfende Dröhnen entfernte sich, begleitet von einem gedämpften pfeifenden Ton. Zum Abschluss eine elektrische Entladung, die ein knisterndes Netz durch den Schankraum jagte, das für eine Sekunde gespenstische Blitze über die starren Gesichter zucken ließ. Dann war der Spuk vorbei.

Die Luft klarte auf zu ihrer gewohnten muffig-rauchigen Konsistenz, die Schatten flohen zurück in ihre Verstecke, die Blicke der Gäste entspannten sich, ihr ewiges monotones Flüstern setzte ein, der Wackelarsch wackelte weiter. Auch der Wirt räumte hörbar in seinen finsteren Nischen herum. Alle verhielten sich, als sei nichts geschehen. Als wüssten sie nicht einmal, dass irgendetwas geschehen war.

Unvorstellbar.



Shortcut 5

Die Reinkarnation des heiligen Schwertes



Ich warf einen Blick auf die Uhr. Noch eine Stunde bis Mitternacht. Wenn sie pünktlich sein wollte, musste meine Klientin bald auftauchen. Warum wohl hatte sie mich ausgerechnet hierher bestellt? Nun gut, es ist nichts Außergewöhnliches, dass Klienten mich an besonderen Orten treffen wollen. Orten, an denen sie sich unbeobachtet fühlen. Und sicher.

Diesmal war es jedoch eine ungewöhnlich lange Anreise gewesen. Doch die Lady hatte die Spesen großzügig bezahlt. Im Voraus! Ich durfte gespannt sein, mit was für einem Auftrag sie mir kommen würde. Um eine entlaufene Katze vom Baum zu holen war der Aufwand jedenfalls nicht gerechtfertigt. Und wenn schon, mit meiner Desert Eagle würde ich auch ein solches Problem in Sekundenschnelle erledigen. Kaliber .50 ist ein Argument.

Sie hatte mich noch nie im Stich gelassen, meine Kanone, schließlich war sie die direkte Reinkarnation des heiligen Schwertes Excalibur und ich hatte mir ihre Gunst unter extremsten Umständen erkämpft[2]. Schwer und kühl wartete die Waffe in ihrem Halfter. Mein Instinkt sagte mir, dass sich mein Baby auch in diesem Einsatz nicht langweilen würde.



Shortcut 6

Zimmer Nummer 13



Ich kippte meinen Bourbon und wollte mir gerade eine anstecken, da schob mir die Kellnerin einen Zettel zu, der mein Leben auf groteske Weise ändern sollte:



Ich will mich auf dein Gesicht setzen!



Frauen haben Wünsche und manchmal ist es ein Zeichen selbstloser Nächstenliebe, wenn man ihnen diese Wünsche erfüllt. Viele große Vorbilder unserer Zeit haben es sich zur Hauptaufgabe gemacht, Wünsche zu erfüllen. Beispielsweise der Weihnachtsmann. Warum sollte ich, Henry Schädelbach, weniger barmherzig sein.

Ich fragte mich, warum die Kleine, anstatt mich direkt anzusprechen, im Vorfeld ein stundenlanges Tamtam veranstaltet hatte: Hintern links rum, Hintern rechts rum, vorwärts wackeln, seitwärts wackeln, rein, raus, bücken, Zettel zuschieben, zur Theke tippeln ...

Vielleicht war sie schüchtern.

Ich steckte mir eine an und schlenderte zur Treppe, die hinauf in die erste Etage führte. Meine Klientin hatte mir ein Zimmer reserviert.

Nummer 13.

Den Flur entlang auf der linken Seite. Sie werden eine wunderbare Aussicht genießen.

An der wunderbaren Aussicht hegte ich keine Zweifel. Auch wenn es an diesem Abend nicht die aus dem Fenster sein sollte.

Das Zimmer war schlicht und schmucklos. Bett, Schrank, Fenster – fertig. Ich warf mich aufs Bett und verschränkte die Hände hinterm Kopf. Meine Kellnerin ließ nicht lange auf sich warten.



Shortcut 7

Becs Wundertalent



Nicht abschließen“, sagte ich, als sie eintrat. „Ich erwarte Besuch.“

Ich heiße Rebecca. Meine Freunde nennen mich Bec.“ Sie streifte die Pumps ab und kickte sie in die Ecke. Dann drehte sie mir den Rücken zu und quetschte sich aus ihrer Jeans. Stück für Stück schälte sie den stramm sitzenden Stoff hinab. Mit jedem Zentimeter quoll ein schmackhafter Streifen Arsch an die Luft.

Dröhnend schossen meine Eier exzessive Mengen Testosteron in den Kreislauf. Ungeheure Brunstströme brandeten in mein Hirn. Schlagartig versteifte sich mein Glied zu einem prallen, pochenden Turm. Ich ließ mir nichts anmerken. Ein zu voreiliger Triumph konnte schnell auf Kosten ihrer Bemühungen gehen.

Die Jeans segelte zu Boden. Keine Unterwäsche. Gewissenhaft ließ sie sämtliche Hüllen fallen, stieg über mich, rücklings auf allen Vieren, streckte mir ihren Arsch entgegen. Ich griff in das warme Fleisch ihrer Arschbacken. Es war ein Griff in die schöpferische Vollendung des Universums. Schlagartig verwandelte sich das ehemals fahle, gelbliche Licht der Deckenleuchte in gleißenden Sternenglanz, der in feinen, fast unsichtbaren Härchen auf ihrer Steißkuppe funkelte.

Unaufhaltsam näherte sich ihre Spalte meinem Gesicht, lechzte mich an. Gleichmäßig drifteten die Hälften auseinander, gaben ihren Weiberduft frei. Der Hauch des Geheimnisvollen streifte meine Sinne. Feucht und aromatisch schmatzte ihr Geschlecht auf meinen Mund.

Drängend.

Reibend.

Mit steifer Zunge forschte ich in kulinarischen Tiefen, spürte nestelnde Finger an meiner Hose. Kühle Luft umspielte meinen Ständer – als Nächstes saugende Lippen.

Verdammt!

Es sprengte mir fast die Kalotte vom Schädel. Tausend Teufel, die Kleine hatte Talent. Eine Madonna des Blasens. Ein Lippenwunder, unten wie oben. Es wäre ein unverzeihlicher Fehler, ihre göttliche Gabe nicht zu fördern. Ich schwor mir, sie zur Vollendung zu führen, so, wie ein Bildhauer einer nahezu perfekten Skulptur mit einem einzigen kunstvollen Streich das Leben der Ewigkeit einhaucht. Und nein, ich würde kein Geld dafür nehmen. Sie war eine Heilige. Materielle Werte verloren in ihrer Aura jegliche Gültigkeit.



Shortcut 8

Die Dämonin



Gerade, als meine Hände die Kurven ihrer Hüften empor fuhren, um den Bereich ihrer Brüste zu untersuchen, glitschte etwas kaltes, schlangenartiges um meine Hand- und Fußgelenke. Reflexartig stieß ich Bec von mir. Quiekend taumelte sie vornüber und stürzte über die Bettkante. In der nächsten Sekunde rissen die Fesseln mit ungeheurer Kraft meine Gliedmaßen auseinander. Wie gekreuzigt war ich auf die Matratze gespannt, ein Gefangener mit Vaginalsekret an den Mundwinkeln.

Ich hob den Kopf um die Lage zu checken. Vier kräftige schwarze Krakenarme waren aus den Wänden gewachsen. Grünlicher Schleim glänzte auf der zähen, lederartigen Haut. Wie Stricke hielten sie mich ans Bett fixiert. In Becs Blick spiegelte sich blankes Entsetzen. Sie drückte sich gegen die Wand und starrte sprachlos auf die Tentakel.

Was geht hier vor?“, ächzte ich.

Wie zur Antwort schwangen die Schranktüren auseinander. Tiefes schwarzes Nichts erstreckte sich hinter einem metallisch fluoreszierenden Rahmen merkwürdig geformter Symbole, die sich laufend untereinander verschlangen.

Hallo Henry.“ Es war die Stimme meiner Klientin. Der schnurrende Unterton war mir bereits am Telefon aufgefallen.

Schön, dass du zu unserer Verabredung erschienen bist.“ Ein feuriges Weibsbild schälte sich aus dem Nichts und trat durch die Symbolumrahmung aus dem Schrank. Abgesehen von ihren hochhackigen Lederstiefeln war sie unbekleidet. Lediglich um ihren Hals schmiegte sich eine silbrig flimmernde Kette, an der ein faustgroßer Kristall funkelte, und über der Schulter baumelte ein pinkfarbenes Handtäschchen.

Alles was eine Frau braucht: Schuhe, Handtasche, Schmuck.

Unaufhörlich und träge strömte ein flüssiger, blutroter Film über ihre Haut und in ihren tiefschwarzen Augen schimmerte boshafte Freude.

Was bist du?“, fragte ich.

Dein Interesse ehrt mich.“ Sie gab sich geschmeichelt. Wahrscheinlich eine narzisstische Persönlichkeit. Solche Gestalten reden allzu gern über sich, vor allem wenn sie damit ihre Brillanz dokumentieren können. Ich persönlich neige eher zu großartiger Bescheidenheit.

Mein Name ist Yeerzha. Ich bin eine Dazzwjyn aus der Unzeit des dreizehnten Strudels. Aber von so etwas verstehst du nichts.“

Da muss ich dir Recht geben. In der Schule bin ich nur bis zum zwölften Strudel gekommen. Beim dreizehnten war ich verhindert: Ein Date mit der Rektorin. Im Keller.“

Sie zog für den Bruchteil einer Sekunde verständnislos die Mundwinkel nach unten, gefolgt von einem gekünstelten Lachen.

Sehr komisch“, sagte sie schnippisch und strich sich eine Strähne ihrer Mähne aus dem Gesicht. „Aber weißt du, mein lieber Henry, ich bin nicht zum Plaudern hier. Ich bin gekommen, um deine Eier zu holen.“

Ich empfand die Situation zunehmend als ungemütlich. Auch konnte ich mich nicht erinnern, einer Organspende zugestimmt zu haben. So wurde es mir ein inneres Bestreben, meinen Standort zu verändern um meine Eier aus der Reichweite dieser Strudeltante zu bugsieren. Ich zog an meinen Fesseln. Ohne Ergebnis. Die Dazzwjyn lachte. Ich versuchte Zeit zu gewinnen.

Das ist doch Unsinn. Was kannst du schon mit meinen Eiern anfangen?“

Ich wusste, dass diese Frage kommen würde“, seufzte sie, legte ihre Hand unter meine Hoden und hob sie an, als wolle sie das Gewicht abschätzen. „Es gibt Dinge, von denen weißt du nicht das Geringste. Aber ich erkläre es dir, damit du im Jenseits allen erzählen kannst, wie es die schlaue Dazzwjyn Yeerzha geschafft hat, deinen Planeten vollständig zu unterwerfen. Ein Unterfangen, an dem bisher all die kleingeistigen Götter und Dämonen mit ihren lächerlichen Religionsversuchen gescheitert sind!“ Die letzten Worte spuckte sie scharf hervor.



Shortcut 9

Mister Hodenbeamer



Bec stand noch immer da, mit offenem Mund, starr wie eine Schaufensterpuppe. Die Dazzwjyn beachtete sie nicht. Statt dessen griff sie in ihre Handtasche und zog eine Leine hervor, an der ein rauchiges Wesen zappelte, etwa so groß wie ein halber Kuhfladen, mit herausquellenden gelben Augen und schiefen, vorstehenden Zähnen. Es sah aus wie die missratene Kreuzung einer Abgaswolke mit einer verschrumpelten Kröte. Wahrscheinlich irgendein niederer Dämon aus irgendeinem nichtswürdigen Strudel.

Mein kleiner Freund hier“, erklärte sie, „ist ein Dongwong. Auch Hodenbeamer genannt.“

Mister Dongwong Hodenbeamer zerrte an der Leine, die sichtbar stramm um seinen Hals geschlungen war und gab ein heiseres Röcheln von sich wie jemand, der kurz vor einem Erstickungsanfall steht.

Ich habe ihn höchstpersönlich dressiert. Er wird sich in deine Harnröhre zwängen und von dort durch das Labyrinth deiner Samenstränge kriechen, bis er deine Hoden gefunden hat. Diese wird er dann astralisieren und in meinen wunderschönen Sternkraftkristall beamen.“ Sie strich behutsam über den Kristall, an ihrer Halskette.

Und jetzt kommt der Clou!“ Sie warf triumphierend die Arme in die Höhe wie ein Zirkusdirektor, der einen hochseiltanzenden Pottwal ansagt, der mit 12 pinkelnden Jungfrauen jonglierend von einem sprechenden Uhu in eine schwebende Champagnerflasche gezaubert wird. Der Dongwong pendelte wie ein Jojo mit dunkelroter Birne würgend und röchelnd an seinem Strick.



Shortcut 10

Der Schlüssel zum Göttlichen



Unter diesem Gasthaus, mein lieber Henry, verläuft die Jenseitsroute, die vom Zug der Ungeilen Toten befahren wird. Auf dieser Route werden all die Toten, die im Leben mürrische Arschlöcher waren, weil sie immerzu schlechten Sex hatten – wenn sie überhaupt welchen hatten – in die gefürchtete Wüste der Ungeilen Monotonie befördert.

Für diese Toten gibt es nur einen Weg, ihrem ewigen Schicksal zu entrinnen: Sie brauchen einen ordentlichen Schub des Elixiers der Triebhaftigkeit: Testosteron!

Sobald deine Eier in meinem Sternkraftkristall gefangen sind, muss dieser lediglich in den Testosteronmultiplikations-Destillierer eingesetzt werden, der übrigens exklusiv aus einer Gemeinschaftsarbeit meiner Freunde Adolf Hitler und Stalin entstanden ist, und schon bin ich in der Lage, all die mürrischen Toten mit herrlichem Testosteron zu überschütten.

Ich sage dir, die Wüste der Ungeilen Monotonie wird sich schlagartig in eine Massenorgie der Wolllust verwandeln. Sie alle werden geil sein. Wie die Tiere werden sie es miteinander treiben, jauchzend und frohlockend. Den Fluch des Mürrischen werden sie abstreifen wie ein altes Paar Socken und ich werde ihr Star sein. Oh ja, anhimmeln werden sie mich, lieben werden sie mich. Sie werden bereit sein, alles für mich zu tun. Blind gehorchen werden sie mir. Und zwar aus Dankbarkeit. Reiner Dankbarkeit. Ihr glücklicher Gehorsam wird mich zur Göttin machen. So steht es in den Gesetzen des Universums verankert: Glücklicher Gehorsam ist der Schlüssel zum Göttlichen.

Ich werde mächtiger, großartiger, herrlicher sein denn je zuvor. Und dann, mein lieber Henry, werde ich mit meiner testosteronisierten Totenarmee deinen Planeten unterwerfen. Alles wird mein sein! Mein! Mein! Mein!“



Shortcut 11

Das Pimmelschloss



Die Dazzwjyn hatte sich merklich in Rage geredet. Ihre Stimme war zu immer schrilleren Höhen aufgestiegen, die Augen glühten heiß und wild und klarer Saft suppte an den Innenseiten ihrer Schenkel hinab.

Meine persönliche Begeisterung hielt sich in Grenzen. Dieser Schwachsinn hörte sich so realistisch an wie die Science-Fiction Story eines zugekifften Psychopathen. Okay, dass man mit meinen Eiern die Welt erobern konnte, klang nicht unwahrscheinlich. Aber die Behauptung, Adolf Hitler könnte in der Lage sein, mit irgendwem einen Testosteronmultiplikations-Destillierer zu entwickeln, war absolut kranker Scheiß. Der Typ war doch nicht mal in der Lage, seinen Bartwuchs in ansehnliche Bahnen zu lenken. Lächerlich!

Dongwong!“, rief die Dazzwjyn und setzte den Dämon zwischen meinen Knien ab. „Such! Finde die Eier!“

Mister Dongwong glotzte sie blöde an.

Ja schau“, sie zeigte auf mein Genital. „Wo sind die Eier? Ja, wo sind sie?“

Geistesabwesend kratzte sich Mister Dongwong hinterm Ohr und setzte sich auf seinen Hintern.

Willst du wohl brav sein? Wo sind die Eier? Such! Such!“ Sie langte zwischen meine Beine, packte Schwanz und Sack und wedelte damit dämlich in der Landschaft rum.

Mister Dongwong warf einen angewiderten Blick auf meine Eichel, dann flüchtete er in die entgegengesetzte Richtung.

Willst du wohl gehorchen!“ Die Dazzwjyn kramte eine kurze mehrschwänzige Flammenpeitsche aus ihrem Handtäschchen und prügelte den quietschenden und kreischenden Dongwong auf mein Geschlechtsteil zu. Ich riss an meinen Fesseln.

Bec stierte noch immer ungläubig auf das Geschehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach stand sie unter Schock. Es war ihr nicht zu verdenken. Schließlich hatten die Ereignisse sie schlagartig von meinem Schwanz losgerissen. Keine Frau kann das ohne Schockreaktion verarbeiten.

Reißender Schmerz raste durch meinen Riemen, als sich der Dongwong von Peitschenhieben getrieben in meine Harnröhre zwängte. Trotz der rauchartigen Konsistenz des Hodenbeam-Dämons war er raumfordernd genug, um meinem Schwanz das Aussehen einer Würgeschlange zu verleihen, die ein komplettes Gnu verschluckt hat. Dem Eindringen des Dongwong folgte etwas, das sich anfühlte wie ein elektrischer Schlag: Die Dazzwjyn hatte ein Vorhängeschloss durch meine Eichel gerammt.

Damit der kleine Scheißer nicht auf den dummen Gedanken kommt zu flüchten“, sagte sie und schnippte den Schlüssel triumphierend in ihr Handtäschchen. Dann blickte sie mich verschwörerisch an.

Dies“, die Dazzwjyn deutete feierlich auf das Schloss, „dies ist das ehrwürdige Pimmelschloss Nanthumohir. Es stammt aus der uralten Schmiede Twonjor im dreizehnten Strudel und sein Vater ist das mächtige Schloss Bornmohir Sohn des Kwarmohir Sohn des Mroghawclaudrojowmohir. Es ist unzerstörbar und kostbar wie ein Königreich. Du darfst dich geschmeichelt fühlen, es eine Weile tragen zu dürfen. Aber freu dich nicht zu früh. Sobald der Dongwong deine Eier in den Sternkraftkristall gebeamt hat, nehme ich es wieder an mich. Es wäre zu schade, es an deinem Pimmel verkommen zu lassen.“

Nachdem sie ihre Ansprache gehalten hatte, griff sie meinen Schwanz wie ein Mikrofon und brüllte in die Harnröhre: „Damit das klar ist, Freundchen: du kommst da erst wieder raus, wenn du die Hoden gebeamt hast! Und zwar beide! Also mach dalli!“

Spürbar mühsam drängte der Dongwong vorwärts, robbte Millimeter für Millimeter durch mein Rohr. Der Ernst der Lage war unverkennbar: Meinen Eiern drohte Gefahr fortgebeamt zu werden, die Existenz meines Planeten stand auf dem Spiel und ich hatte die Nummer mit Bec noch nicht zu Ende gebracht. Drei gute Gründe, dringend etwas zu unternehmen. Mir fehlte nur noch die erfolgversprechende Strategie.



Shortcut 12

Catfight



Natürlich werde ich den Fortschritt der Hodenbeamoperation höchstpersönlich überwachen“, sagte die Dazzwjyn. „Und damit mir die Zeit nicht lang wird, vergnüge ich mich derweil mit unserer kleinen Bec.“

Sie wandte sich der Kellnerin zu. Bec hatte sich aus ihrer Starre gelöst und wich mit angstgeweiteten Augen zurück.

Lassen Sie mich“, stammelte sie. „Ich sollte mich nur auf sein Gesicht setzen, wegen des Junggesellenabschieds. Das war der Deal. Mit dem anderen Scheiß will ich nichts zu tun haben. Wir sind quitt.“

Die Dazzwjyn lachte auf.

Wann wir zwei quitt sind, entscheide ich, Süße!“ Sie näherte sich Bec mit wiegenden Hüften wie eine Badenixe, die auf eine Strandbar zuschlendert, in der Gewissheit, dass hundert hungrige Männeraugen an ihren schlangengleichen Bewegungen haften.

Ich sagte nein!“, schrie Bec. Blitzschnell schoss ihr rechter Fuß vor. Der überraschten Dazzwjyn blieb keine Zeit zu reagieren. Kraftvoll knallte der Spann in ihre Magengrube. Die Wucht presste ihr die Luft aus den Lungen, sie knickte ein wie ein Klappmesser und stolperte rücklings zu Boden. Jede andere Frau hätte sich die nächsten Minuten vor Schmerzen keuchend am Boden gekrümmt, vielleicht das Bewusstsein verloren. Nicht die Dazzwjyn. Ihre Regenerationszeit war enorm. Eine Sekunde und sie war auf den Beinen. Mit dämonischem Grinsen hechtete sie auf Bec zu.

Dafür wirst du brennen!“, fauchte sie.

Bec nahm eine Art Angriffsposition ein. Scheinbar hatte sie einen dieser Hausfrauenkurse besucht, in denen man lernt, wie man nach Mitternacht seinen betrunkenen Ehemann empfängt oder dem Kellner die Nüsse wegkickt, falls er einem Suppe in den Ausschnitt schlabbert. Erneut schickte sie ihrer Gegnerin einen Tritt entgegen. Diesmal war die Dazzwjyn vorgewarnt. Mit übermenschlicher Schnelligkeit schnappte sie das heransausende Fußgelenk und riss es mit aller Kraft nach oben. Bec verlor den Boden unter den Füßen, stolperte rückwärts gegen die Wand, die Dazzwjyn setzte nach, krallte sich mit der Linken in ihre Haare und scheuerte ihr einen harten Satz Ohrfeigen ins Gesicht.



Shortcut 13

Der Cheerleader Effekt



Ein hysterischer Ringkampf entbrannte. Kreischen, Kratzen, Haareziehen. Zu gern hätte ich das nackte Gerangel mit einem Kanister Massageöl garniert. Aber der Cheerleader-Effekt trat auch ohne Gleitmittel ein: wackelnde Brüste, bebende Arschbacken, windende Frauenkurven – das herrlich aggroerotische Schauspiel presste die letzten Testosteronreserven aus meinen kochenden Eiern. In Sekundenschnelle war mein Blut mit Kampfhormonen übersättigt. Eine reißende Sturmflut toste durch meine Gefäße. Ich spürte förmlich, wie die Gischt in meinen Herzkammern schäumte. Prähistorische Hirnregionen erwachten, befahlen jeder einzelnen Muskelzelle die Mobilisation tief verbunkerter Kraftreserven. Prall quollen meine Adern aus der Haut, schleusten riesige Ladungen Kohlehydrate in die Turbolader meines Körpers. Schweiß tränkte das Laken, Muskeln und Sehnen verschmolzen zu einer Einheit stählerner Taue. Wütend brüllte ich den Kampfschrei meiner lang vergessenen Vorfahren – ein barbarischer Urbrüller, der schon zu Eiszeiten den Feind erstarren ließ und das Steinzeitkarnickel allein durch Kraft seiner Schallwellen tötete. All mein Brutalitätspotential legte ich in einen einzigen Ruck meiner adrenalingepumpten Arme.

Tiefrote Blutnebel wirbelten vor meinen Augen. Ich sah nicht, ob die Frauen verharrten oder weiterkämpften, hörte nicht, ob sie schrien oder verstummten. Mein Schädel dröhnte, hämmerte, röhrte. Weißglühend brannte es durch meine Muskeln. Ein peitschender Knall! Der Tentakel, der eben noch meinen rechten Arm umschlang, schnellte zurück. Das Losreißen und der Griff zu meiner Desert Eagle war eine einzige schwungvolle Bewegung. Erneut zischte der Tentakel heran. Ich schickte ihm ein Geschoss Kaliber .50 entgegen. Treffer an der Wurzel! Dort, wo der Fangarm aus der Wand wuchs, explodierte er in einer Fontäne stinkender Fleischfetzen. Zuckend klatschte er zu Boden und verspritzte schwarzen Sud.



Shortcut 14

Liste der verdammten Pflichten



Excalibur!“, kreischte die Dazzwjyn. Aus ihren aufgerissenen Augen loderte die Furcht der Dämonen vor der heiligen Waffe. Sie hatte Bec den Arm auf den Rücken gehebelt, die andere Hand in ihren Kehlkopf gekrallt und hielt sie wie einen Schutzschild vor sich.

Loslassen!“, brüllte ich.

Mir war klar, dass sie nicht auf mich hören würde. Renitentes Weibstück! Rückwärts, die zappelnde Bec mit sich zerrend, steuerte sie auf den offenen Schrank zu. Ich versuchte auf einen Teil der Dazzwjyn zu zielen, den ich treffen konnte, ohne Becs Vollständigkeit zu gefährden. Zwecklos! Zu viel Rumgehampel! Selbstverständlich hätte ich einfach beide in Stücke sieben können. Doch mein Gefühl sagte mir, dass ich eine andere Lösung finden musste. Die Nummer mit Bec stand noch aus und sie hatte sich nach dem fulminanten Vorspiel, das ebenso abrupt wie ärgerlich gekappt worden war, schlagartig auf Platz eins meiner Verdammte-Pflichten-Liste katapultiert. Und, mal ehrlich, was rechtfertigt schon die Existenz eines miesen kleinen Planeten voller Sonntagsfahrer, Emanzen und antibakterieller Mülltüten, was bringen dir die prallsten Eier des Universums, wenn du den Fick des Jahrhunderts verpasst? Nein, ein Mann muss wissen, wann es Zeit ist, auf Risiko zu spielen.

Du wirst deinem Schicksal nicht entkommen“, zischte die Dazzwjyn. „Dein Planet gehört mir.“

Ein letztes verbissenes Lachen und sie verschwand mit Bec im endlosen Nichts des Schrankes. Der Rahmen aus sich fortwährend verschlingenden Hieroglyphen verengte sich. Der Durchschlupf wurde kleiner und kleiner.



Shortcut 15

Der Torwächter



Mit drei Schüssen erledigte ich die übrigen Tentakel und hechtete nach vorn. Zu spät! Das Loch war bereits zu klein, als dass ich hindurchschlüpfen könnte. Ich fluchte, erkannte eine schemenhafte Bewegung in der jenseitigen Dunkelheit, griff hinein und zerrte einen schrumpeligen, verwachsenen Gnom mit breiten Wildschweinhauern und überdimensionaler Arschbehaarung ins Zimmer. Er war hässlicher als alle Emanzen der Erde zusammen. Nun gut, ich möchte nicht übertreiben. Aber er war wirklich schon ziemlich hässlich.

Hilfe! Hiiilfeee!“, zeterte er.

Ich packte ihn an einem seiner riesigen Ohren und hob ihn auf Augenhöhe.

Lass mich los oder ich mach dich zu Hackfleisch!“, kreischte er.

Schnauze!“ Ich drückte ihm den Lauf unter die Nase. „Wer bist du?“

Erst runterlassen!“

Ich setzte ihn ab und zielte weiterhin auf seine Birne.

Erst du.“ Er rieb sich das leuchtende Ohr.

Warum nicht. Momentan war mir alles Recht, was zur Kooperation dieses Gnoms beitragen konnte.

Henry Schädelbach“, sagte ich. „Privatdetektiv.“

Terrorwal. Torwächter“, antwortete er mit gespielter Diplomatie und schielte mich heimtückisch an.

Terrorwal! Was für ein beschissener Name! Besonders für einen Typen, der sich zum Pinkeln hinter nem Nilpferdköttel verstecken kann.

Okay, Terrorwal, bring mich da durch.“ Ich deutete auf den Schrank. Das Tor hatte sich geschlossen. Die Hieroglyphen waren bis zur Mitte rotiert und dann verschwunden. Zu sehen war nun die hölzerne Innenwand des Schrankes. Irgendwer hatte einen Spruch hineingeritzt:

Terrorwal hat nen kleineren als Adolf!

Terrorwal verschränkte die Arme vor der Brust: „Niemals!“

Mein lieber Freund“, sagte ich und gab einen Warnschuss ab, der das linke Bein des Bettes in Sägemehl verwandelte. „Wenn du mir nicht hilfst, werde ich dir deine krummen Ärmchen und Beinchen abschießen, dich an deinem kleinen Pimmelchen an der Decke festnageln und Petersilie in deinen Nasenlöchern anpflanzen.“

Dieses Argument schien den Gnom zu beeindrucken. Auch wenn es zum Teil nur geblufft war. Aber woher sollte er auch wissen, dass ich keine Petersilie zur Hand hatte. Ängstlich auf meine Kanone schielend, vollführte er mit zittrigen Händen einige merkwürdige Bewegungen. Die Innenwand des Schrankes verwandelte sich erneut in ein Tor zu fremden Welten. Es war ein faszinierendes, mystisches Ereignis, vergleichbar mit der beschaulichen wie aufwühlenden Stille, die uns Menschen erfüllt, wenn zum Höhepunkt des Heiligen Abends die Stripperin den letzten Slip fallen lässt.



Shortcut 16

Das Pfand



Eins noch“, sagte ich. „Du führst mich hinein und du führst mich wieder hinaus.“

Selbstverständlich“, entgegnete Terrorwal und die Büschel, die aus seinen Ohren wuchsen, kräuselten sich verräterisch. Diesem Giftzwerg war nicht zu trauen. Ich musste sein Versprechen durch ein treueerhaltendes Motiv untermauern.

Gut. Um ganz sicher zu gehen, brauche ich ein Pfand.“ Mit diesen Worten stieß ich Zeige- und Mittelfinger in seine Augenhöhle, fischte den Augapfel heraus und ließ ihn in meinem Mund verschwinden. Genau genommen in der rechten Wangentasche.

He, mein Auge!“, protestierte er.

Du bekommst es zurück“, sagte ich. „Aber erst wenn wir diese Geschichte erfolgreich hinter uns gebracht haben. Bis dahin ist dein Auge in meinem Mund sicher aufgehoben. Denk dran: Sollte mir irgendetwas zustoßen, wird mein Schluckreflex dein Auge automatisch in meinen Magen befördern, wo es sofort von Magensäure verätzt wird.“

Arschloch!“

Gleichfalls!“



Shortcut 17

Schritt ins Jenseits



Nachdem alles Notwendige gesagt war, stiegen wir über die Grenze. Die jenseitige Atmosphäre war trockener, staubiger Dunst. Weder Hitze noch Kälte, einfach nur verdorrtes Nichtklima in fader, öder Leere. Leblos und stumm. Graue Schwaden zogen wie trostlose Geister über eine endlose kahle Ebene und der schwarze, löchrig zerfressene Kies knirschte unter meinen Sohlen wie die berstenden Totenschädel elend verreckter Ratten.

Ich schüttete mir den letzten Rest Steroid-Bourbon rein, schob das Auge in die andere Wangentasche und steckte mir eine an. Die Sache mit dem Auge hatte ein bisschen was von Kojak und seinem Dauerlutscher. Wenn ich Pech hatte, würde ich hier draußen ein ähnliches Suchtverhalten entwickeln und in Zukunft permanent an Augen herumlutschen müssen.

Was hatten wir gestern? Ach ja, Krokodil. Nun, ich denke, heute wäre es mal wieder an der Zeit für ein saftiges Elchauge.

Was ist das?“ Ich deutete auf einen bläulichen Kometenschweif, der sich am Horizont in den schwarzen, leeren Jenseitshimmel entfernte.

Die Dazzwjyn“, antwortete Terrorwal. „Sie jettet auf ihrem Schakalschlitten zurück in ihren Palast.“

Wir müssen die Verfolgung aufnehmen. Wie kommen wir hier weg?“

Terrorwal zuckte die Schultern und warf mir einen zerknirschten Blick zu. Seine Niedergeschlagenheit war echt. Schließlich hing das Heil seines Auges vom Erfolg meiner Mission ab. Auf gewisse Weise verbrüderte uns die Situation. Er musste sich sorgen, dass ich sein Auge verschluckte, ich hingegen wurde durch permanentes Zerren, Reißen und Stoßen des Hodendämons daran erinnert, dass er sich wie ein Maulwurf durch mein Innerstes wühlte, um meine Eier in diesen Sternkraftkristall zu beamen. Ich hatte bereits überlegt, zumindest den Versuch zu wagen, das Schloss zu knacken, aber dieses Unterfangen war aussichtslos. Das Schlüsselloch war durch irgendeine Teufelei verschwunden, wahrscheinlich zugewachsen, verschmolzen oder fortgeflogen wie ein kleiner beschissener Schmetterling, und ein Schuss meiner Desert Eagle war ebenso müßig wie riskant. Ich brauchte den Schlüssel der Dazzwjyn. Erst wenn mein Pimmel befreit war, konnte ich mir Gedanken machen, den Dongwong herauszulocken.



Shortcut 18

Haltestelle der Ungeilen Toten



Ich blickte mich um. Vielleicht war hier jemand auf Sightseeing-Tour und hatte seinen Schlitten irgendwo abgestellt. Fehlanzeige. Scheinbar gab es hier nichts zu besichtigen. Oder die Sehenswürdigkeiten wurden einfach nur schlecht vermarktet.

Auf den zweiten Blick erkannte ich in einiger Entfernung zwischen den Schwaden etwas Dunkles, das sich von der übrigen Eintönigkeit abhob.

Was ist das?“, fragte ich.

Ich sehe nichts.“ Terrorwal tat, als würde er sich anstrengen, etwas zu erkennen. Ich möchte behaupten, er strengte sich an, nichts zu erkennen.

Los, mitkommen.“

Nein, nein, da ist nichts!“ Er krallte sich an mein Hosenbein und versuchte, mich zurückzuhalten. Der Gnom wusste mehr, als er zugeben wollte. Ich packte ihn am Handgelenk und schleifte ihn mit.

Loslassen“, wimmerte er. „Das ist die Haltestelle vom Zug der Ungeilen Toten. Sie warten dort. Wir dürfen da nicht hin.“

Haltestelle? Zug?“ Ich stoppte, schob das Auge in die andere Wangentasche und steckte mir eine an. „Wo sind die Schienen?“ Da war nichts, was auf eine Zugstrecke hindeutete. Nur diese Einöde.

Der Zug der Ungeilen Toten braucht keine Schienen“, jammerte Terrorwal, reckte verschwörerisch die Hände in die Höhe und raunte: „Er fährt auf den Geisterschädeln der Verfluchten Teufelsgeiger.“

Selbstverständlich! Ungeile Tote! Geisterschädel der Verfluchten Teufelsgeiger! Warum war ich nicht von selbst drauf gekommen? Sicher servierte man in den Abteilen die Horrortörtchen der Blutigen Monsteromas, während man durchs Höllental der Knochenzermalmenden Satanselche fuhr. Ja, genau: Das Tal, wo aus den Mörderwolken der Giftscheißenden Schreckensgötter die Todeskörner des Axtschleifenden Bestienhagels prasselten. Alles kompletter Blödsinn! Aber was rege ich mich auf. Wenn schon antibakterielle Mülltüten ihren Weg in die Haushalte finden, kann praktisch jeder Unfug Realitätsanspruch erheben.

Gut“, sagte ich. „Wir gehen jetzt zur Haltestelle und sehen, was wir dort erreichen können.“

Tu das nicht! Sie sind grausam! Sie hassen die Lebenden! Sie werden uns beißen, sie werden uns ausweiden, sie werden uns zu sich holen in die schreckliche Wüste der Ungeilen Monotonie! Ich geh da nicht hin!“

Er verschränkte die Arme vor der Brust, schob störrisch seinen viel zu breiten Unterkiefer vor, hockte sich auf den Boden und kniff die Augen zu. Für solche Rumzickereien war jetzt keine Zeit. Ich klemmte mir den Jammerlappen unter den Arm und marschierte auf das schwarze Etwas zu, das ich zwischen den Schwaden entdeckt hatte. Terrorwal protestierte nicht. Offensichtlich war er in eine Art Schockstarre verfallen. Auf jeden Fall hielt er die Klappe und blieb unter meinem Arm so steif, wie ich ihn aufgehoben hatte. Kein Gequieke, kein Gezappel. So ließ sich gut miteinander auskommen.



Shortcut 19

Die Raben der Toten



Je mehr ich mich meinem Ziel näherte, umso deutlicher bildeten sich die Umrisse zerfledderter Gestalten heraus. Fünfzig oder sechzig waren es. Vielleicht auch hundert. Ihre Zahl war schwer abzuschätzen. Grau und schmutzig verharrten sie auf eine Stelle gedrängt, die eisigen Blicke nach vorn gerichtet. Ein Pfeiler überragte sie, auf dessen Spitze eine schlichte Bahnhofsuhr zeigte, was die Stunde geschlagen hatte. Raues Wispern ging von der Versammlung aus. Mir war, als flüsterten sie sich gegenseitig geheime Botschaften zu. Ich beschrieb einen Bogen und näherte mich ungesehen von hinten. Ihre Konturen wurden deutlicher und bald erkannte ich, dass auf der Schulter eines jeden Wartenden ein verwesender Rabe saß. Ein abstoßender Anblick. Manchen dieser Vögel fehlten ganze Federbüschel und weiße Vogelhaut schimmerte durch die kahlen Flecken. Andere Tiere waren fast gänzlich skelettiert und von Würmern und Maden befallen, die in ihren ausgehöhlten Körpern wimmelten. Verwesungsdünste verunreinigten die Luft. Es stank, als hätte ich meine Nase in den Arsch einer toten Henne gesteckt – ein Unterfangen, das ich niemandem, auch nicht zu wissenschaftlichen Testzwecken, empfehlen möchte.

Das Wispern war mit abnehmender Distanz immer deutlicher geworden. Es waren die Raben. Fortlaufend krächzten sie den Gestalten ein und dasselbe Wort ins Ohr:

Ungeil!“, krächzten sie. „Ungeil! Ungeil! Ungeil! ...“

Kein Zweifel, es handelte sich bei den Wartenden um Ungeile Tote. Bei der einen oder anderen Frau, in die ich meine kostbare Zeit investiert hatte, wäre es nicht verkehrt gewesen, wenn ein Rabe mich vorgewarnt hätte. Unauffällig stellte ich mich hinten an. Direkt vor mir eine schwammige Alte, deren zerschlissene Latzhose einmal lila gewesen sein mochte. Braungefleckte Kopfhaut schimmerte durch lange, fettige Strähnen und ihr Nacken wies offene Stellen auf, in denen geröteter Wundbrand gärte.

Terrorwal befand sich noch immer in Schockstarre. Möglicherweise ein Schutzreflex, der ihn vor dem Verwesungsgestank bewahren sollte oder vor weiß der Henker was. Er war ein wenig unhandlich und ich beschloss ihn abzusetzen, als plötzlich der Rabe auf der Schulter der Alten seinen Kopf zu mir umdrehte. Mit kleinen schwarzen Augen taxierte er mich von unten bis oben. Dann krächzte er:

Geil! Geil! Geil! ...“

Für mich war das nichts Neues, nur war es ungewöhnlich, es aus dem Schnabel eines untoten Vogels zu hören anstatt aus dem Mund einer durchvögelten Frau. Auch die anderen Raben schwenkten ihre Köpfe und stimmten ein:

Geil! Geil! Geil! ...“

Wie eine Anklage hallten ihre rostigen Stimmen in die Ödnis der Schattenwelt. Die eben noch steif vor sich hinglotzenden Toten rührten sich. Langsam, fast schlafwandlerisch, wandten sie sich um. Ihre Mäuler standen offen wie gähnende Rohre. Porzellanweiße Augen starrten mich an. Es war nicht nötig, in einem Buch á la „Mimik-Gestik-Körpersprache – 1000 Wege, Ihr Gegenüber richtig einzuschätzen, wenn es mit einem blutigen Beil auf Sie zustürmt“ nachzuschlagen, was sie wollten. Der Gnom hatte Recht, sie hassten die Lebenden.

Terrorwal erwachte aus seiner Starre und rannte schreiend in die entgegengesetzte Richtung. Er übertrieb mal wieder maßlos. Ein geordneter Rückzug schien zwar nicht die schlechteste Idee in Anbetracht dieser Übermacht, doch bei der Geschwindigkeit, die unsere Jenseitsfreunde an den Tag legten, war es durchaus möglich, sich in angemessener Gravität zu entfernen und vielleicht das eine oder andere lustige Liedchen zu pfeifen, anstatt unbeherrscht kreischend durch die Landschaft zu springen. Ein solch weibisches Verhalten schadet nur dem gesunden Männerkarma.



Shortcut 20

Zombieflut



Noch während ich gedachte mich abzuwenden, um in stilvoller Positur aus dem schädlichen Einflussbereich dieser vergammelten Partybremsen zu schreiten, erregte lawinenartiges Rauschen meine Aufmerksamkeit. Direkt hinter mir. Terrorwals Schreie, die sich noch vor einer Sekunde von mir entfernten, näherten sich nun. In mir keimte der unsympathische Verdacht, dass sich in eben diesem Moment die Voraussetzungen für einen Rückzug zu meinen Ungunsten veränderten. Ein rascher Orientierungsblick über die Schulter erhärtete diesen Verdacht.

Keine zwanzig Meter hinter mir wuchs prasselnd und brodelnd ein riesenhafter Totenschädel aus der Erde. Von teuflischen Kräften getrieben, schob er sich durch den schwarzen Kies. Turmhoch ragte er über die Ebene. Ein dämonisch entstelltes Relikt des Grauens. Flammen züngelten aus den Rissen seiner Schädelplatte, monströse Schlangen wanden sich aus boshaft verzerrten Augenhöhlen und unheilige Popel gärten in den furchtbaren Tiefen seiner Nasenlöcher. Dröhnend riss er das Maul auf. Eine schwarze Flut Ungeiler Toter strömte aus seinem Rachen. Auch ringsum aus dem Boden krochen sie, eine schmutzige Legion lebendig Begrabener, die scheinbar nur 2. Klasse gebucht hatten. Mit aufgefetzten Händen schaufelten sie sich an die Oberfläche, richteten sich stöhnend auf und torkelten mir entgegen. Alle trugen sie Raben auf ihren Schultern und all die glotzenden, fauligen, stinkenden Zombievögel krähten mir ihr anklagendes „Geil! Geil! Geil!“ ins Gesicht.

Welch ein Spektakel! War es denkbar, dass mein Planet täglich eine solche Lawine Ungeiler Toter ins Jenseits entließ oder hatten sich sämtliche Zeugen Jehovas der Erde während einer kollektiven Butterfahrt auf einen Schlag gegenseitig zu Tode gelangweilt, weil sie ihre bunten Unterhaltungsheftchen zu Hause vergessen hatten?

Wie dem auch sei, irgendwo da draußen entführte die dämonische Dazzwjyn meinen Wochenendfick in ihre Brutstätte des Bösen, Mister Dongwong-Hodenbeamer wühlte sich durch meine Samenstränge, um meine Kronjuwelen in einen verfluchten Sternkraftkristall zu beamen, mein Planet steuerte einem Desaster entgegen und wir waren eingekesselt von einer Armee Ungeiler Toter, die ganz offensichtlich nicht zum Kartenspielen hergekommen war. Die Situation verlor zunehmend an Attraktivität. Ich musste mir etwas einfallen lassen.

Ich schob das Auge in die andere Wangentasche und steckte mir eine an.



[1] Siehe: Weiber, Weichlinge, Echte Männer – Der härteste Roman aller Zeiten

[2] Siehe Roman: Leichentanz der Amazonen





Die vollständige Version von

ZUG DER UNGEILEN TOTEN

bestehend aus:



TEIL 1 – Der Hodendämon

TEIL 2 – Puff der Reitenden Leichen

TEIL 3 – Parallelwelten

TEIL 4 – Im Arsch der Dämonin

TEIL 5 Die reinigende Kraft des Feuers




Im Jenseits ist die Hölle los


Zug der Ungeilen Toten, Schädelbachs dritter Roman, ist die weltweit erste und einzige Shortcut-Hardcore-Fiction-Story! Die extrem kurzen Kapitel (Shortcuts) beschleunigen den literarischen Wahnsinn auf mindestens doppelte Lichtgeschwindigkeit.
Jeder, dem am Abend nur 10 Minuten für die tägliche Hardcore-Fiction-Hirnmassage bleiben, wird begeistert sein! Ob auf dem Klo, unter der Dusche oder während des Quickies zwischendurch: In dieser Zeit lassen sich locker drei Kapitel schaffen, die dir den Staub aus der Birne fegen.
Die extravagante Hardcore-Fiction-Satire entführt in mystische Jenseitswelten, die ihren eigenen Gesetzen gehorchen. Abgründige Kreaturen lauern dort. Sie sind heiß! Sie sind sexy! Sie sind abartig und gefährlich!
Fazit: absolut fantastisch, abgefahren, dreckig und zum Brüllen komisch. Und: Wie immer gibt es brisante Antworten auf brisante Fragen:

Wie lautet die todsichere 3R-Regel, nach der jeder echte Mann vorgeht, wenn sich in seiner Gegenwart ein weibliches Wesen bückt? Und: Welche Peinlichkeit tritt ein, wenn man die 3R-Regel falsch anwendet?

Wird Henry Schädelbach mit Hilfe des Astralmolekylatischen Phallospaltators heimlich in den Palast der Dämonin Yeerzha eindringen können, ohne dabei eine verheerende Katastrophe anzurichten?

Worin unterscheidet sich der Urinstrahl metrosexueller Männer auf metaphysischer Ebene vom Strahl des echten Mannes?

In welchen düsteren Jenseitswelten verbirgt sich Adolf Hitlers sagenumwobene Penispumpe?

Was geschieht, wenn man im Jenseits stirbt und im Jenseits-Jenseits einen doppelten Bourbon bestellt?

Mit welchem archaischen Ritus kann man den Teil der Seele, der im Hoden des Mannes wohnt, nutzen, um den Mann vom Tod ins Leben zurückzuholen?

Wird Henry Schädelbach den Akt im glutheißen Arsch der Dämonin mit dem rettenden Abschuss beenden, bevor ihn die Satanischen Exkremente des Grauens erwischen?



„So muss es aussehen, wenn Terry Pratchett schmutzige Albträume hat!“
Carsten Wagner




Sehr empfehlenswert:



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